Alles über’s Geld

Die Währung in Serbien ist der Dinar. Als ich im September nach Serbien kam, sagte man mir, dass ein Euro etwa 80 Dinar entspricht. In den letzten Monaten gibt es oft Meldungen über den einbrechenden Dinar. Zunächst konnte ich diese Berichte nicht bestätigen, da ich das Gefühl hatte, dass der Wechselkurs nur sehr stark schwankt. In den ersten zwei Monaten, die ich in Serbien verbrachte, bewegte sich der Preis zwischen 75 und 85 Dinar für einen Euro. Mittlerweile ist der Dinar jedoch auch meiner Meinung nach deutlich eingebrochen, da er sich jetzt schon bei 95 Dinar für einen Euro befindet. Dies ist deutlich mehr als die üblichen Schwankungen.

Viele Serben besitzen auch Euro, was ich vor allem auf das geringe Vertrauen in die eigene Währung zurückführe. Dies scheint verständlich, wenn man bedenkt, dass die Inflationsrate in den beiden Jahren nach dem Kosovo-Krieg bei über 70% lag und erst 2007 unter 10% sank. Am geringsten sind bis Mitte 2007 noch die Preise für Nahrungsmittel gestiegen, die bis dahin ca. eineinhalb Jahre lang fast gleich geblieben waren. Anschließend explodierten sie jedoch und stiegen seitdem um über 30% an. Insgesamt haben sich die Preise seit 2002 mehr als verdoppelt.

Da der Euro deswegen eine gängige Devise ist, jedoch nirgendwo als Zahlungsmittel akzeptiert wird, gibt es viele Wechselstuben (serbisch: Menjačnica) in denen man zu fairen Kursen Geld tauschen kann. Da es außerdem viele Banken gibt, bei denen man Geld zu den offiziellen Wechselkursen tauschen kann, sind die Kurse in den Wechselstuben sogar besser als die offiziellen Wechselkurse, da sonst niemand dort wechseln würde.

Auch die Banken haben erst in den letzten Jahren ihr Image deutlich verbessert, sodass die Menschen ihr Geld mittlerweile wieder bei Banken deponieren, während sie es vorher zu Hause aufbewahrt haben, sofern sie überhaupt größere Ersparnisse besaßen. Aus diesem Grund ist auch die Angst vor der internationalen Finanzkrise sehr hoch, da die Menschen fürchten, dass sie ihr Geld erneut verlieren und wieder von vorne anfangen müssen. Bis jetzt hat das serbische Bankensystem, indem auch viele österreichische Banken eine wichtige Rolle spielen, jedoch, zumindest für den Normalbürger, gehalten, obwohl es, vor allem im Bereich der Kredite, schon Probleme gab. Dies lag vor allem am Absturz des Dinar, da viele Kredite in Euro oder Schweizer Franken zurückbezahlt werden mussten und dies nach dem Einbruch des Währungskurses für die Schuldner kaum noch möglich war. Aus diesem Grund ist es, soweit ich weiß, mittlerweile kaum noch möglich, Kredite auf Euro-Basis zu bekommen.

Allerdings soll die internationale Finanzkrise sich auch auf das Wirtschaftswachstum in Serbien auswirken. Nachdem die Wirtschaft in den letzten Jahren meistens um mindesten 6% wuchs, soll sich das Wachstum im Jahr 2009 nach offiziellen Angaben auf 3,5% verringern. Um den möglichen Auswirkungen der Krise entgegen zu wirken hat das Land Kredite vom IWF erhalten, die jedoch vorläufig noch nicht im Haushalt eingeplant wurden, sondern nur in Anspruch genommen werden sollen, falls es zu akuten Zahlungsproblemen kommt. Auf Grund der sich immer weiter verschlechternden allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der Probleme, die andere Staaten in Ost- und Südosteuropa haben, scheint dies mittlerweile aber nicht mehr sehr unwahrscheinlich. Insgesamt glaube ich aber, dass Serbien schwächer von der Krise betroffen sein dürfte viele als andere Länder, weil die internationale Verflechtung der Wirtschaft, auch wegen der Sanktionen gegen das Land im Zuge des Kosovo-Krieges, nicht so groß ist. Da das Land aber in den letzten 20 Jahren schon von vielen Krisen betroffen war, könnte die Krise die Menschen trotzdem sehr hart treffen.

Nach diesen relativ allgemeinen Dingen zur wirtschaftlichen und finanziellen Lage möchte ich jetzt noch auf meine persönlichen Erfahrungen z.B. in Bezug auf die Preise, eingehen.

In einigen Bereichen wie zum Beispiel bei Getränken, Nahrungsmitteln oder im öffentlichen Personennahverkehr sind die Preise deutlich niedriger als in Deutschland. Deswegen habe ich bislang nur sehr wenig Geld ausgegeben. Andere Dinge wie zum Beispiel Kleidung sind hier ungefähr genauso teuer wie in Deutschland. Dies verwundert umso mehr, wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Nettolohn in Serbien bei ca. 350 € im Monat liegt und in Valjevo, wo ich die meisten Erfahrungen gesammelt habe, aufgrund der vielen Arbeitslosen, wahrscheinlich noch niedriger ist. Allerdings glaube ich nicht, dass alle privat-bezahlten Tätigkeiten wie zum Beispiel handwerkliche Hilfen oder Nachhilfestunden dabei mit eingerechnet werden.

Trotzdem sind die Serben nicht besonders geizig gegenüber Ausländern. Ich werde von vielen als Gast betrachtet und zu ihrer Tradition gehört es, dass sie alles für einen Gast bezahlen. Aus diesem Grund bin ich zum Beispiel schon mehrmals ausgegangen ohne einen einzigen Cent auszugeben.

In Kragujevac, wo ich jetzt arbeite, könnte sich die Wirtschaftskrise ebenfalls sehr stark auswirken, da ein Großteil der Menschen hier von der einzigen serbischen Autofirma „Zastava“ lebt. Diese hat seit Jahren wirtschaftliche Probleme wegen technologischer Mängel und daraus entstandenen Absatzschwierigkeiten. Mittlerweile ist Fiat bei Zastava eingestiegen und wollte mit der Unterstützung des serbischen Staates große Produktionskapazitäten aufbauen. Diese Investitionen scheinen mittlerweile zumindest in ihrer Höhe in Frage zu stehen. In den letzten Wochen gab es immer wieder gegenteilige Meldungen über die Fiat-Investitionen. Ich bin gespannt, wie sich die Situation weiter entwickelt.

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