Es ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal etwas über meine Arbeit geschrieben habe. Deswegen gibt es jetzt einen längeren Bericht über meine Arbeit im November und Dezember.
Nachdem ich in meinen ersten beiden Monaten vor allem in der Technischen Schule gearbeitet hatte, hat sich dies im November geändert. Dies lag daran, dass meine Betreuerin Dušica, die an der Technischen Schule unterrichtet, drei Wochen lang an einer Schule in der Nähe von Hamburg hospitiert hat und die meisten ihrer Stunden ausgefallen sind. Ein paar Stunden habe ich alleine gehalten, die aber meistens sehr anstrengend waren, weil die Schüler zum größten Teil nicht sehr motiviert waren und auch nicht so gut Deutsch gesprochen haben. Außerdem war ich ein paar Stunden an der Technischen Schule bei einer anderen Lehrerin, die jedoch nur wenige Stunden dort hat, da sie überwiegend an der Landwirtschaftlichen Schule unterrichtet. Dort und an der Ökonomischen Schule habe ich die meisten Stunden gearbeitet.
Im November wurden nicht so viele Tests geschrieben, weil es die nächsten Noten erst wieder Ende Dezember gab, sodass der Unterricht wieder inhaltlich interessanter wurde. Zu den Themen, die ich bearbeitet habe, gehörten Nahrungsmittel und Essenssitten in Serbien und Deutschland, Familien, Tourismus sowie Feste in Deutschland. Da ich mittlerweile auch etwas mehr Serbisch verstehe, ist auch der Grammatikunterricht für mich interessanter als er das am Anfang war. So lerne ich immer etwas, selbst dann, wenn ich den Unterricht nicht aktiv mitgestalte.
Neben der direkten Unterrichtsgestaltung habe ich mich, vor allem an der Landwirtschaftlichen Schule, auch an der langfristigen Planung beteiligt, in dem ich mit der Lehrerin über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Bücher diskutiert habe sowie zusammen mit ihr analysiert habe, wieso viele Schüler so wenig lernen und Ideen entwickelt, wie man das ändern könnte.
Nachdem Dušica Ende November aus Hamburg zurückgekommen war, habe ich dann wieder mehr Stunden an der Technischen Schule gearbeitet. Ansonsten war ich im Dezember hauptsächlich an der Landwirtschaftlichen und der Ökonomischen Schule. Themen waren zum Beispiel Sagen, bedeutende Wissenschaftler, wichtige Ereignisse des 20. Jahrhunderts, Umweltschutz und deutsche Städte.
Da die Schüler am 30.12. ihre Halbjahresnoten bekommen, wurden auch wieder viele Tests geschrieben, bei deren Korrektur ich half, und zum Teil war ich auch an der Konzeption beteiligt.
In Valjevo gibt es neben den staatlichen Schulen noch Privatschulen an denen man verschiedene Sprachen lernen kann. Im Dezember war ich das erste Mal an einer solchen im Unterricht dabei. Die meisten Menschen, die dort lernen, sind Erwachsene, deren Kurse häufig von ihren Arbeitgebern bezahlt werden. Ich war jedoch bei der einzigen Kindergruppe, die aus drei Kindern besteht, die ungefähr 12 Jahre alt sind, sowie bei einem Anfängerkurs für Erwachsene dabei. Alle Deutschgruppen an der Schule sind sehr klein, da es nicht so viele Menschen gibt, die Deutsch lernen wollen. Die Arbeit mit den Kindern ist sehr erfrischend, da sie viel lernen wollen (Hobby: Lernen; Lieblinsfächer: Alle). Sie können nicht so viele Sachen sagen, aber das, was sie lernen, können sie sehr gut. So waren sie zum Beispiel die ersten Schüler, die ich kennen lernte, die wussten, was Kaninchen heißt, weil sie eine Lektion über Haustiere gehabt hatten. Auch ihre Aussprache ist sehr gut. Es macht sich bemerkbar, dass sie früher angefangen haben intensiv Deutsch zu lernen als die meisten anderen Schüler.
Viel Arbeitszeit habe ich auch in eine Veranstaltung anlässlich des 60. Geburtstages der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte investiert, die von Dušica und einem ihrer Kollegen organisiert wurde. Sie bestand aus vier verschiedenen Teilen. Am 9. und am 11.12 gab es jeweils Filmvorführungen von Kurzfilmen aus verschiedenen Ländern und in verschiedenen Sprachen zum Thema Menschenrechte. Am Mittwoch, dem 10.12., dem offiziellen Tag der Menschrechte, fand abends eine Podiumsdiskussion in der Technischen Schule statt, an der unter anderem eine Expertin aus Belgrad teilnahm. Leider habe ich nicht so viel verstanden, weil die Sprache deutlich zu anspruchsvoll für meine Serbisch-Kenntnisse war. Insgesamt war die Diskussion aber trotzdem gut, nur leider haben nicht so viele Schüler und Lehrer zugehört, weil das Projekt von den anderen Lehrern der Technischen Schule nicht so gut unterstützt wurde wie ich es von Schulprojekten von meinen alten Schulen in Deutschland gewöhnt bin. Der Teil des Projekts, der die meiste Vorbereitungszeit erforderte und bei dem ich am meisten helfen konnte, war eine mehrsprachige Ausstellung zum Thema Menschenrechte. Der Hauptteil war eine illustrierte Darstellung der Menschenrechtsartikel in vielen, auch exotischen Sprachen (neben Serbisch, Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch gab es auch Chinesisch, Japanisch, Arabisch und Russisch). Als Inspiration dafür diente die Straße der Menschenrechte in Nürnberg, die ich im Sommer im Rahmen des Internationalen Jugendcamps in Ingolstadt besucht habe. Daneben wurden einzelne Themen noch intensiver bearbeitet. Dazu zählten Kinderrechte, Frauenrechte, Menschenrechte und Religion, die Geschichte der Menschenrechte sowie einige Werte, die in der Menschenrechtserklärung verwirklicht wurden, wie Toleranz oder Gleichheit. Im Laufe des Projekts habe ich auch viel gelernt über die Organisation von Schulprojekten in Serbien. Fast die gesamte Arbeit wurde von Dušica, ihrem Kollegen und mir geleistet. Wir erhielten nur wenig Unterstützung von anderen Schülern oder Lehrern. Dies hat meiner Meinung nach drei Gründe: Das serbische Schulsystem mit seinen zwei Schichten (die Hälfte der Schüler geht morgens in die Schule, die andere Hälfte nachmittags) macht es sehr schwierig Projekte zu organisieren; die organisierenden Lehrer werden von ihren Kollegen nicht sehr gut unterstützt, da, im Vergleich zu deutschen Schulen, mehr Wert auf das Auswendiglernen von Fakten als auf kreatives Arbeiten gelegt wird; zudem haben viele Schüler keine Lust, neben dem Unterricht und den Hausaufgaben noch mehr für die Schule zu arbeiten. Dies ist aber meiner Meinung nach nicht der Hauptgrund, da die Mehrheit der Schüler in Deutschland dazu ebenfalls nicht bereit ist und dort Schüler trotzdem viel Verantwortung in Projekten übernehmen.
Außerdem habe ich noch die Schach-AG für mich entdeckt, die einmal pro Woche in der Technischen Schule angeboten wird. Dort habe ich mehrmals teilgenommen und meine Schachkenntnisse ein bisschen aufgefrischt.
In den letzten beiden Dezemberwochen musste ich mich außerdem von allen „meinen“ Schülern verabschieden, da ich ab Mitte Januar in Kragujevac weiter arbeiten werde. Dies fiel mal mehr und mal weniger emotional aus. Viele Klassen gestalteten mir eine Seite mit Namen und Abschiedsbotschaften (auf Deutsch, Serbisch oder Englisch). Dabei wünschten sich viele, dass ich wieder nach Valjevo komme, was ich auf Grund meiner vielen schönen Erfahrungen auch vorhabe.