Seit dem Januar habe ich fast nichts mehr über meine Arbeit geschrieben. Dies soll sich nun ändern. Dieser Bericht gibt Euch einen Überblick über meine Arbeit während des letzten halben Jahres.
Meine Betreuerin Nataša arbeitet am zweiten Gymnasium in Kragujevac. Deswegen war dies auch mein Hauptarbeitsplatz. Ich besuchte mit ihr zusammen ihre Stunden und auch den Unterricht bei einer Kollegin von ihr, Sonja, am zweiten Gymnasium. Das zweite Gymnasium ist in einem der modernsten Schulgebäude Serbiens untergebracht, da es noch nicht sehr alt ist. Neben den allgemeinen Klassen gibt es in jedem Jahrgang auch eine philologische und eine sprachwissenschaftliche Klasse.
Die Schüler lernen Deutsch als zweite Fremdsprache. Da es bis vor wenigen Jahren im Raum Kragujevac fast nicht möglich war, Deutsch in der Grundschule zu lernen, geht man davon aus, dass die Schüler ohne Vorkenntnisse auf das Gymnasium kommen. In den allgemeinen Klassen sind zumeist ungefähr 30 Schüler(innen), die alle dieselbe zweite Fremdsprache lernen. Deswegen war es dort relativ anstrengend, weil die Klassen eigentlich zu groß sind, um effektiven Fremdsprachenunterricht zu haben. Aus diesem Grund verbrachte ich bei diesen Klassen nicht so viel Zeit.
Im Gegensatz dazu sind in den philologischen und sprachwissenschaftlichen Klassen meist nur 10 bis 15 Schüler, wobei die Mehrzahl eindeutig weiblich ist. Zudem ist das Interesse an Fremdsprachen dort im Allgemeinen sehr viel höher als in den allgemeinen Klassen. Mit diesen Klassen kann man dementsprechend sehr viel besser arbeiten und auch der Einsatz von modernen Unterrichtsmethoden wie Gruppenarbeit oder moderner Medien ist hier besser möglich. Deswegen machte mir der Unterricht hier viel mehr Spaß. Außerdem war es auch einfacher für mich alleine zu unterrichten, da ich generell mit kleinen Klassen besser arbeiten kann. Obwohl ich mittlerweile sehr viel besser als am Anfang Serbisch spreche und die Schüler auch fast alle Englisch sprechen, konnte ich in diesen speziellen Klassen normalerweise die ganze Stunde nur auf Deutsch sprechen und die Schüler verstanden mich fast immer, auch wenn es am Anfang etwas dauerte, bis sie sich an meine Aussprache gewöhnten.
Wenn ich alleine Unterricht hatte, habe ich in den Klassen, die noch auf einem relativ niedrigen Niveau sind, meistens Wortschatzübungen gemacht zu Dingen, die man sehr oft braucht, wenn man sich ein wenig auf Deutsch unterhalten will oder in ein deutschsprachiges Land reist, wie zum Beispiel Wegbeschreibungen, Farben oder Tiere. Mit den Klassen, die schon besser Deutsch sprachen, konnte ich auch über Themen sprechen, die für Jugendliche interessant sind, wie zum Beispiel Freundschaft oder Zukunft. Außerdem konnte man mit ihnen auch anspruchsvollere Themen wie Märchen oder verschiedene Teile der Landeskunde bearbeiten.
Eine weitere Schule, an der ich gelegentlich Stunden hatte, war das erste Gymnasium. Es ist das älteste Gymnasium im modernen serbischen Staat und ist in einem, von außen, sehr beeindruckenden Gebäude untergebracht. Es ist vor allem auf Naturwissenschaften spezialisiert. Dementsprechend gibt es keine speziellen sprachlichen Klassen. Die Schüler beginnen auch hier Deutsch in der ersten Klasse des Gymnasiums zu lernen. Allerdings hatte ich nur wenige Stunden dort, sodass ich nur wenige Klassen kennen gelernt habe und auch in diesen habe ich mich oft nur vorgestellt und vielleicht noch ein paar Stunden danach gehabt, aber ich habe nicht so intensiv mit ihnen gearbeitet wie mit den Schülern des zweiten Gymnasiums. Ein lustiges Erlebnis hatte ich aber einmal, als ich an einem Tag sechs Stunden hintereinander in Klassen hatte, in denen ich zuvor noch nicht gewesen war. In den meisten Klassen stelle ich mich kurz vor, dann stellen sich die Schüler vor, je nach Klassengröße manchmal auch nur ein paar, und danach sollen mir die Schüler noch Fragen stellen über alles, was sie interessiert. Nun hatte ich den Fall, dass ich von sechs Klassen hintereinander zu 90 % immer dasselbe gefragt wurde, sodass ich der Lehrerin am Ende vorschlug, ich könne doch meine Antworten auf Band aufnehmen, weil sowieso alle das gleiche fragen.
Sowohl Nataša als auch Sonja hatten auch noch Sprachkurse des DAAD (Deutschen akademischen Austausch Dienstes) an der Universität in Kragujevac. Diese kann jeder besuchen, der Lust hat und außer den Lehrmaterialien muss man nichts dafür bezahlen, was für Serbien nicht üblich ist. Zu Begin hatten beide einen Anfängerkurs (Niveau A1 nach dem europäischen Referenzrahmen), später hatten beiden auch Kurse auf dem Niveau A2 sowie Nataša einen auf dem Niveau B2, für den ich auch einige Stunden gestaltet habe. In diesen Stunden war ich mehrmals dabei und sie machten mir auch relativ viel Spaß. Dies lag daran, dass die Schüler meistens interessierter waren Deutsch zu lernen als an den Schulen, dass sie, für ihre Lernzeit, schon relativ gut Deutsch sprachen und dass sie an mehr Themen in Bezug auf Deutschland interessiert waren als viele Schüler.
Nataša hatte außerdem einmal in der Woche noch eine Gruppe von vier Kindern zwischen 12 und 15 Jahren, die sie privat unterrichtete. Mit einigen von ihnen machte mir der Unterricht auch viel Spaß, weil sie sehr gerne lernen, auch wenn man oft viel wiederholen muss, aber wenn man sehr einfach sprach, konnte man sich schon ein wenig mit ihnen unterhalten.
Außerdem half ich Nataša und Sonja manchmal bei Übersetzungen, mit deutschen Texten oder bei Privatstunden, wenn sie Schüler hatten, die schon gut Deutsch sprachen und für die es hilfreich war, wenn sie sich einmal mit einem Muttersprachler unterhielten.
Im März habe ich auch die germanistische Fakultät, die es in Kragujevac gibt, kennen gelernt. Da die Deutschlehrergemeinde allgemein in Serbien und innerhalb der meisten Städten nicht so groß ist, kennen sich die meisten untereinander. Dadurch habe ich auch ein paar der Professoren kennen gelernt, die an der Uni arbeiten. Drei Professorinnen habe ich auch im Unterricht begleitet. Dadurch habe ich alle vier Studienjahre kennen gelernt.
Im ersten Jahr sind es meistens ungefähr 25 Studenten, die ein Germanistikstudium beginnen. Darunter sind einige, die längere Zeit in einem deutschsprachigen Land gelebt haben, einige, die in der Schule oder in Privatstunden schon gut bis sehr gut Deutsch gelernt haben und einige, die Deutsch studieren, weil sie kein anderes Fach gefunden haben, in dem sie besser waren, insbesondere weil es wenig Bewerber gibt, sodass fast alle genommen werden. Im vierten Studienjahr sind es dann meistens nur noch ca. 15 Studenten, die das Studium mit einem serbischen Diplom abschließen.
In Serbien gibt es keine Unterscheidung zwischen Studenten, die auf Lehramt studieren und solchen, die zum Beispiel als Übersetzer arbeiten wollen. Dadurch sind Methodik und Didaktik keine Schwerpunkte des Studiums. Dies habe ich gemerkt, weil ich den Methodikunterricht im vierten Studienjahr relativ regelmäßig besuche, da ich dort auch noch einiges lernen kann. Jedoch habe ich das Gefühl, dass die meisten Studenten nicht sehr viel über Methodik wissen und ich habe somit bei vielen auch Probleme mir vorzustellen, dass sie ab nächstem Jahr in einer Schule unterrichten werden.
Weitere Fächer, die ich kennen lernte, sind Konversation und grammatikalische Übungen im Rahmen von Gegenwartsdeutsch, Übersetzung, Aufsatz und Deutsch als Zweitsprache, wobei ich nur den Konversationsunterricht im ersten Studienjahr häufiger besucht habe. Dort habe ich zusammen mit der Professorin einige landeskundliche Themen bearbeitet wie zum Beispiel das Deutschlandbild der Studenten, deutschsprachige Musik und Rechtsextremismus. Als Abschluss der Unterrichtseinheit haben wir außerdem über Vorurteile gegenüber anderen Ländern und Toleranz gesprochen. Dies machte mir sehr viel Spaß, da die Studenten häufig gut mitarbeiteten und sie einfach viel besser Deutsch sprachen als die Schüler, sodass ich mit ihnen auch anspruchsvollere Themen und Texte bearbeiten konnte.
Außerdem wurde von der Fakultät auch ein Projekt veranstaltet, das sich Sprachcafé nennt. Ungefähr alle zwei Wochen fanden dort Filmvorführungen, Präsentationen oder Vorführungen von Studenten statt, zu denen jeder kommen konnte. Bei den Vorbereitungen half ich relativ häufig. So gab es zum Beispiel eine Theateraufführung von Studenten, bei der ich bei den Proben mehrmals dabei war und ein paar sprachliche Tipps gegeben habe sowie einige andere Tipps zur besseren Verständlichkeit des Stücks, das eine Übersetzung eines bekannten serbischen Films war. Des Weiteren habe ich unter anderem bei der Vorbereitung einer Filmvorführung geholfen, um einige sprachliche Wendungen zu erklären, die nicht sehr gebräuchlich sind.
Eine weitere Schulform, die ich zuvor nur aus Berichten kannte, habe ich im April kennen gelernt: die Grundschule. Im Sprachcafé traf ich eine Deutschlehrerin, die mich fragte, ob ich Lust habe, ein paar Stunden bei ihr zu besuchen. Die Kinder, deren Unterricht ich mir anschaute, waren zwischen 10 und 12 Jahren und besuchten die 5. und 6. Klasse. Sie beginnen in der 5. Klasse Deutsch zu lernen. Da Deutsch erst seit 2 Jahren als zweite Fremdsprache unterrichtet wird, gabt es keine älteren Schüler, die Deutsch lernten, an der Grundschule, die insgesamt acht Jahre dauert. Die meisten Schüler an der Grundschule waren sehr fasziniert von mir, dass ich als Deutscher ihren Unterricht besuchte. Dadurch waren sie fast immer sehr aufmerksam, wenn ich etwas sagte, andererseits waren sie aber vor allem am Anfang auch sehr nervös, weil sie nichts Falsches sagen wollten. Mit der Zeit gewöhnten sie sich aber an mich und ich glaube, dass sie insgesamt mehr lernten als vorher, weil der Unterricht durch meine Anwesenheit für sie viel interessanter war.
Außer in der Grundschule unterrichtet diese Lehrerin auch in einer privaten Sprachschule in Kragujevac. Dort habe ich auch Stunden von ihr besucht. Die Gruppen dort sind sehr klein, im Normalfall nicht mehr als vier Schüler. Dadurch konnte ich manchmal ganz individuell mit einzelnen Schülern arbeiten. Ansonsten waren meine Aufgaben ähnlich wie in den staatlichen Schulen. Was aber interessant war, war, dass die Schüler häufig an anderen Themen interessiert waren als die meisten Jugendlichen, was vor allem daran lag, dass sie häufig schon ein Studium beendet hatten. Dadurch habe ich zum Beispiel einmal über die deutsche Wirtschaft gesprochen, obwohl die Schüler nur relativ wenig Deutsch gesprochen haben, aber ich habe festgestellt, dass man fast alle Sachen in sehr einfachem Deutsch ausdrücken kann, wenn man sich nur entsprechend bemüht.
Gemeinsam mit einer deutschen Lektorin von der Uni Kragujevac und einer Lektorin von der Uni in Novi Pazar, einer Stadt im Süden Serbiens, organisierte ich im Mai ein Projekt für Studenten. Das Projekt namens „Auf welcher Insel lebst du denn? Ein Planspiel zur Demokratie“ dauerte zwei Tage lang. Der Großteil fand im zweiten Gymnasium statt. Dort hatten wir zwei Räume zur Verfügung. In dem Projekt ging es darum, dass die Studenten auf einer Insel strandeten und dann verschiedene Aufgaben lösen mussten, in denen es um das Überleben und ihre Regeln auf der Insel ging.
Während es am Anfang um grundlegende Dinge wie Nahrungsbeschaffung ging, sollten sie später unter anderem miteinander handeln, Herrschaftsregeln aufstellen und am Ende beschäftigten sie sich auch mit Migration zwischen den Inseln. Die meisten der Studenten aus Novi Pazar haben längere Zeit in Deutschland gelebt und sprechen deswegen sehr gut Deutsch aber es fiel auf, dass sie Probleme hatten sich gut und präzise auszudrücken, wenn es um politische oder wirtschaftliche Fragen ging.
Nach dem wir am ersten Tag den ganzen Mittag und Nachmittag mit dem Planspiel beschäftigt waren, schauten wir abends einen Film. Nachdem wir uns anschließend in der Kragujevacer Innenstadt noch besser kennen gelernt hatten, ging es am nächsten Tag bis zum Mittag mit dem Planspiel weiter. Das gesamte Projekt hat mir viel Spaß gemacht, wir haben sehr intensiv gearbeitet, die Studenten machten sehr gut mit und die Ergebnisse waren auch sehr interessant.
Die Schüler der 4. Klasse am Gymnasium hatten am 29. Mai ihren letzten Schultag. Deswegen gab es davor noch einige Tests, viele Noten und eine schöne gemeinsame Abschlussfeier am letzten Schultag.
Ein Highlight gab es auch im Juni, meinem letzten Monat in Serbien, noch am zweiten Gymnasium. Nataša hat sich für das Programm „Schulen – Partner der Zukunft (PASCH)“ des Goethe-Instituts beworben. Deswegen hatten wir an einem Tag eine Präsentation am zweiten Gymnasium. Dazu kam eine Mitarbeiterin des Goethe-Instituts und besichtigte die Schule, schaute sich einige Unterrichtsstunden an und sprach mit dem Schulleiter, den Deutschlehrern, einigen Schülern und auch mit mir. Die Präsentation lief sehr gut, sodass wir mittlerweile erfahren haben, dass die Schule PASCH-Schule wird und damit zahlreiche neue Möglichkeiten für Schüler und Lehrer erhält.
Ansonsten haben nach und nach die Ferien für alle begonnen. Nachdem die Schüler der 4. Klasse schon am 29. Mai ihren letzten Schultag hatten, begann zunächst die unterrichtsfreie Zeit an der Fakultät, dann bekamen die Grundschüler Ferien und schließlich auch die Schüler am Gymnasium. Somit hatte ich wieder viele Abschiede, die ich mal mehr, mal weniger emotional meisterte.
Am 5. Juni war außerdem Matura vom zweiten Gymnasium, eine Feier die mit dem Abiball in Deutschland vergleichbar ist. Zu dieser war ich auch eingeladen. Im Gegensatz zum Abiball in Deutschland sind zur Matura aber nur die Schüler und Lehrer eingeladen. Der offizielle Teil ist auch relativ kurz und besteht nur aus einigen kurzen Reden sowie Geschenken, die an alle Klassenlehrer verteilt werden. Danach beginnt der inoffizielle Teil, der vor allem aus Tanzen besteht. Im Anschluss an die eigentliche Feier hatten die Schüler noch eine Disko gemietet, in der noch lange weiter gefeiert wurde.
Insgesamt zehn Monate habe ich in Serbien Deutsch unterrichtet, an verschiedenen staatlichen und privaten Schulen sowie an der Universität in Kragujevac. Daneben habe ich bei der Organisation von verschiedenen Projekten geholfen und insgesamt viel Pionierarbeit für meine möglichen Nachfolger geleistet. Insbesondere am Anfang war sowohl in Valjevo als auch in Kragujevac vieles unorganisiert, da alles sehr kurzfristig zustande gekommen ist. Dadurch habe ich mit Sicherheit noch nicht alle Möglichkeiten, die ich als ADiA-Leistender hätte, ausgenutzt, aber ich glaube, dass ich einen guten Anfang gemacht habe.
Insbesondere von Nataša aber auch von den meisten anderen Deutschlehrern, die ich kennen lernte, habe ich sehr viel über Methodik und Fremdsprachendidaktik gelernt. So bin ich jetzt viel besser in der Lage die Deutsche Sprache nicht nur richtig zu verwenden sondern auch zu erklären, warum ich ein Wort benutze, ich kann Wörter besser auf Deutsch erklären, mich in sehr einfachem Deutsch ausdrücken und sogar die Deutsche Grammatik ein wenig erklären. Im Gegenzug half ich ihr und anderen gelegentlich bei Übersetzungen oder anderen Texten, die in Deutsch verfasst werden mussten.
Ich hoffe, dass ich vielen Schülern etwas beibringen konnte, vor allem hoffe ich, dass sie merkten, dass es sich lohnt Frendsprachen zu lernen, da man nie weiß, wann man sie gebrauchen kann. Ich glaube, dass ich auch vielen Deutschlehrern helfen konnte ihre Sprachkenntnisse noch zu verbessern, da sie sonst nicht so oft die Möglichkeit haben sich auf Deutsch zu unterhalten. Dadurch hatte ich auch viele interessante Diskussionen über die deutsche Sprache.